
UR-Freak wirkt wie ein Treffen zweier Charaktere, die sich selten an denselben Tisch setzen: Ulysse Nardin mit seiner Vorliebe für technische Grenzspiele und Urwerk mit seiner radikalen Anzeige-Architektur. Das Ergebnis ist keine höfliche Kooperation, sondern ein Objekt, das Reibung zulässt und daraus Form gewinnt.
Im Mittelpunkt steht nicht der übliche Zeigerlauf, sondern eine Zeitdarstellung, die an Satelliten, Rotationen und mechanische Dramaturgie erinnert. Wer URWERK kennt, erkennt die Handschrift sofort; wer den Freak kennt, spürt die Verwandtschaft über das Kaliberdenken und die Lust am Andersmachen.
Diese Edition spricht weniger über Status als über Konstruktion: über Geometrie, Materialentscheidungen und das sichtbare Arbeiten der Teile. UR-Freak lädt dazu ein, näher hinzusehen – nicht, um ein Geheimnis zu suchen, sondern um zu verfolgen, wie sich eine Anzeige aus Bewegung aufbaut.
So entsteht eine Uhr, die Diskussionen auslöst: über Tradition, über Mut zum Experiment und über die Frage, wie viel Uhrmacherei man zeigen darf, ohne sich zu erklären. Ulysse x Urwerk liefert darauf eine Antwort, die sich am Handgelenk tragen lässt.
Die Kooperation Ulysse x Urwerk ist als geteilte Autorenschaft angelegt: Ulysse verankert das Projekt in Identität, Tragekomfort und Markenlogik, Urwerk steuert die radikale Anzeige-Architektur und die mechanische Dramaturgie bei. Das Ergebnis entsteht nicht aus einer einseitigen Vorgabe, sondern aus klar getrennten Zuständigkeiten mit festen Übergabepunkten.
Im Design liegt die Leitlinie bei Ulysse: Proportionen, Haptik am Handgelenk, Gehäusesprache und visuelle Anschlussfähigkeit an das eigene Portfolio. Urwerk liefert dazu das Anzeige-Konzept als „Motor“ der Gestaltung: Satellitenmodule, Zeigerführung, Ablesewinkel und die räumliche Anordnung der Informationen. Die Schnittstelle ist das Zifferblatt-Layout im dreidimensionalen Sinn–nicht als Fläche, sondern als Bühne, die Tiefe, Schatten und Sichtfenster definiert.
Die Entwicklungsphase wird als „Mechanik zuerst, Hülle danach“ geführt, jedoch mit festen Rückkopplungen. Urwerk konstruiert die Baugruppen der Anzeige samt Energiebedarf, Massenträgheit und Toleranzketten; Ulysse prüft parallel, ob Bauhöhe, Gewicht und Schwerpunkt mit dem Gehäusekonzept vereinbar bleiben. Daraus entsteht ein iterativer Abgleich zwischen Mikro-Mechanik und Makro-Architektur.
In der Fertigung wird die Arbeit entlang von Kompetenzfeldern getrennt: Urwerk übernimmt die hochspezialisierte Montage und Regulierung der Anzeigeeinheit, weil dort Handarbeit, Erfahrung mit Satellitengetrieben und Feintoleranzen den Ausschlag geben. Ulysse verantwortet die Produktion der Gehäuseteile, Dichtsysteme, Finissierung sichtbarer Flächen sowie die Endintegration als tragbares Objekt mit definiertem Bediengefühl.
Für Qualitätssicherung und Service wird ein geteiltes Pflichtenheft eingesetzt. Ulysse dokumentiert Gehäuse-, Dicht- und Bedienparameter, Urwerk dokumentiert Einstellmaße der Anzeige, Schmierpunkte und Montage-Reihenfolgen. So bleibt die Wartbarkeit planbar, ohne dass eine Seite die interne Methodik der anderen offenlegen muss.
Die UR-Freak überträgt den Freak-Gedanken in eine URWERK-nahe Lesart: Zeit wird nicht über klassische Zeiger „gezeichnet“, sondern über rotierende Baugruppen, die selbst Teil des Antriebs sind. Statt eines ruhigen Zifferblatts arbeitet die Anzeige wie ein mechanischer Träger, der Information und Bewegung sichtbar koppelt.
Das Anzeigeprinzip basiert auf einem wandernden Stundenmodul, das über eine Skala geführt wird, während die Minute über eine separate Graduierung abgelesen wird. Dadurch entsteht eine klare Trennung: Stunde als rotierender „Satellit“, Minute als Wegstrecke. Die Ablesung verlangt keinen Perspektivtrick, sondern folgt einem konstanten Bezugspunkt am Rand; die Mechanik liefert den Zeiger gleich mit, weil der Indikator Teil des Moduls ist.
Im Inneren liegt eine Architektur, die auf modularen, kreisenden Ebenen aufbaut: Ein zentrales Energie- und Räderwerk speist ein System aus Trägern, Übersetzungen und Lagerpunkten, das die Satellitenbewegung stabil hält. Die Lasten werden nicht nur über eine Zeigerwelle geführt, sondern über großflächige, mehrpunktige Abstützungen verteilt; so bleiben Spiel und Reibung kontrollierbar, obwohl bewegte Masse sichtbar „oben“ sitzt. Die Konstruktion wirkt wie ein mechanisches Chassis, das Anzeige und Kraftfluss eng zusammenführt.
Die Bedienung ist auf Alltagshandgriffe ausgelegt: Aufziehen und Zeiteinstellung erfolgen über klar definierte Eingriffsstellen, getrennt nach Funktion, damit kein „Mitspringen“ der Anzeige entsteht. Beim Einstellen wandern die Module gleichmäßig über die Skalen, ohne dass ein herkömmlicher Zeiger über ein Blatt schleift; das reduziert Risiko für Kratzer an sichtbaren Elementen und hält die Rückmeldung direkt.
Am Handgelenk wirkt das Konzept weniger wie eine Schaufront, sondern wie eine kleine Maschine, die man abliest, während sie arbeitet. Die Sicht auf Lager, Träger und rotierende Einheiten macht den Gang der Zeit nicht abstrakter, sondern körperlicher: Jede Korrektur spürt man über den Widerstand der Krone, jede Minute „fährt“ als Strecke, und die Stunde erscheint als Objekt, das den Platz wechselt.